Dienstag, 13. Oktober 2009

Otro Fin de Semana in Ríonegro

Hier noch einige Eindrücke vom letzten Wochenende auf der Finca der Eltern (ohne Eltern) von Anasol in Río Negro. Es gibt eigentlich gar nicht viel zu erzählen, denn das erklärte Ziel dieses Wochenendes war, möglichst wenig zu machen. Dieses Ziel wurde teilweise durchkreuzt, weil am Sonntagabend eine Wasserleitung platzte und wir ohne Wasser waren.

Sonst war es wirklich ein ruhiges Wochenende mit vielen Filmen (die alle super waren) und viel verschiedenem Essen mit den gleichen Zutaten (Pizza mit Oliven, Tomaten, Schinken, Peperoni; Spaghetti mit Oliven, Tomaten, Schinken, Peperoni: Rührei mit Oliven, Tomaten, Schinken, Peperoni).

Emma hat Hunger
Wieder einmal wird ein bemitleidenswertes Haustier gewaschen
Pizza (Fertigteig gibt es leider nicht... dafür aber Raclette und Fondue in jedem Supermarkt)
Best Friends?
Eichhörnchen
Die Hügel von Ríonegro Damit die Baustelle gesegnet ist
Das Haus und die Tiere
Picasso
Tukan
EAFIT hat mir gerade mitgeteilt, dass mein Spanischkurs für die nächsten zwei Wochen nicht durchgeführt wird. Ich muss mich nun also um einen Privatlehrer kümmern. Mal schauen. Gehe jetzt erst einmal in die Stadt und in den Parque Explora.

Samstag, 10. Oktober 2009

Der erste Monat in Medellín

Diesen Post habe ich letzten Samstag geschrieben und veröffentliche ihn nun mit ein wenig Verspätung... der nächste Eintrag folgt sogleich...

Komme gerade zurück von der Peluquería. Mein Coiffeur “My name is Juan David” hatte die verschiedenen Schneidetechniken voll im Griff, auch wenn ich eine Frisur a la Marc Hottiger anno 1994 gerade noch verhindern konnte.

Ich sehe auch sonst anscheinend schon genug wie ein Kolumbianer aus. Auf dem Weg ins Einkaufszentrum hat mich schon ein altes Frauchen nach dem Bus ins Zentrum gefragt…

Ich muss schauen, dass der Text nicht allzu chaotisch wird. Im Moment kommen mir bei jedem Satz verschiedene Sachen und Eindrücke in den Sinn, die ich erwähnen könnte. Z.B. zum Thema Vokuhila, dass alle Studenten von EAFIT (ist ja eine Privatuni) die gleichen zwei Marken anhaben: Abercrombie & Fitch und Hollister. Daneben gibt es natürlich auch einiges an Dolce & Ganbani (wo ist der Fehler???) und das allgegenwärtige und schreckliche Christian Audigier Tattoo Zeug.

Ich hatte letztens auch die Idee, eine Rubrik „Sachen die man lernen sollte, bevor man nach Kolumbien geht“ einzuführen. Ein wichtiger Punkt wäre hier: Wie schliesst man Autotüren leise genug, um nicht Krieg mit seinem Taxista zu kriegen und trotzdem die Türe auch wirklich zu schliessen.

Bevor es aber ganz ausartet gehen wir am besten zum ersten von zwei Kapiteln:

Kapitel I: Ein Tag auf dem Balkon

Ich hatte diese Woche ein wenig Motivationsprobleme. Ich lerne hier in Medellín entweder in der Bibliothek von EAFIT, oder bei Anasol auf dem Balkon. Wegen meinen Motivationsproblemen, konzentrierte ich mich letzten Mittwoch eher darauf, einen Vogel zu erwischen, wie er zu seinem Nest fliegt, als auf die Bildung des pluscuamperfecto de subjuntivo... Die Prüfung vom Donnerstag ist aber trotzdem super gelaufen... Kolibri
Im 13. Stock (ich habe nachgezählt) ist eine Wohnung zu vermieten. Zur Sicherheit haben sie ein Plakat ans Fenster gehängt. Vielleicht läuft ja mal jemand vorbei?
Der Balkon. Gleichzeitig auch mein Arbeitsplatz
Und hier die Aussicht...
Kapitel II: Cerro el Volador und Acción Impro

Nachdem ich am Freitag meine zweite Präsentation erfolgreich überstanden hatte ("Teoría de juegos y problemas ambiementales" - habe blöderweise nicht gerade das einfachste Thema ausgewählt...), gingen Timo, ein Mitstudent von EAFIT, auf den Cerro El Volador.

Der Cerro Volador ist einer der drei oder vier Hügel von Medellín. Anscheinend ziemlich berüchtigt, weil in den 80er und 90er Jahren dort ziemlich viele Menschen umgebracht worden seien. Jetzt ist es einfach ein sehr schöner und ruhiger Ort, mit einer tollen Aussicht auf die Stadt.

Der Río Medellín... hier in seiner "originalen" braunen Farbe. Letzte Woche soll er für einige Zeit rot gewesen sein, was jedoch für die Umwelt "absolut unbedenklich" gewesen sei, so jedenfalls die Gobernación von Medellín. Bis 2012 wollen sie den Fluss total sauber kriegen.
Von dem Pendel in der Mitte der Brücke aus werden alle Distanzen in Kolumbien gemessen (oder besser: Das Pendel markiert den Punkt, von wo aus... etc). Wie man an den Leitungen sehen kann, ist der Cerro El Volador ein beliebter Punkt, um Drachen steigen zu lassen.

Timo Aussicht vom Cerro Richtung Poblado und den kleineren Cerro Nutibara (der Ort wo das Pueblito Paisa steht). Wächter über die Stadt... Zweiter Wächter Jesus Blick zurück auf den Cerro (der Hügel im Vordergrund). Auf dem vorderen Spitz oben rechts waren wir.
Am Abend gingen Timo, Anasol und ich dann noch in eine Improvisationstheater. Die Gruppe, Acción Impro, war wirklich genial und besser, als alles was ich bisher in der Schweiz gesehen habe. Nicht nur die Kreativität, sondern auch die erzählerischen Mittel (Flashbacks etc.) die sie gebrauchten waren einfach genial.

Das Publikum musste einen Titel vorschlagen und ein Genre ziehen und sie machten daraus wirklich komplexe Geschichten. Die Website ist übrigens auch super.

Sonntag, 4. Oktober 2009

Manuel él Montañero en Medellín y Jericó

Das Zitat, unpassend zu diesem Wochenende, heisst:

"Der Mensch kann zwar tun was er will, aber nicht wollen was er will." Arthur Schopenhauer (* 22. Februar 1788 in Danzig; † 21. September 1860 in Frankfurt am Main)

Es folgt das Wochenende in zwei Kapiteln und mehreren Punkten:

Kapitel I - Parque Bolívar und der Pájaro de la Paz
  1. Am Samstagmorgen waren wird auf dem Monatsmarkt im Parque Bolívar. Dort verkaufen Kolumbianer und einige (kolumbianische) Hippies ihre Produkte, meistens Artesanías, Schmuck und Ramsch. Anasol kaufte Chanclas (Sandalen) und ich ein paar Souvenirs. Ausserdem hat sie mir eine Süssigkeit angedreht, welche aus irgendeinem Teil des Beines von Schweinen gemacht wird. Natürlich hat sie mir das aber erst nachher erzählt. Ich fand es aber sowieso nicht so fein...
  2. Vorher waren wir im "Parque de San Antonio" (Bemerkung am Rande: All die Parques sind Plätze... man sollte sich also nicht etwas allzu Grünes vorstellen). In diesem Parque (oder besser: Auf diesem Platz) steht der “Pájaro de la Paz”. Dieser Friedensvogel wurde 1995 ironischerweise Opfer eines Anschlags. 28 Menschen starben an diesem Ort. Im Jahr 2000 schuf Botero einen neuen Vogel, der nun neben dem zerstörten Pájaro auf dem Parque de San Antonio steht.
  3. Die beiden Plätze befinden sich im alten Zentrum der Stadt. An einem Samstag herrscht reinstes Chaos: Menschen, Verkehr, Tiendas, Fruchtstände, noch mehr Menschen, noch viel mehr Autos... ganz anders wie der fast europäische Teil der Stadt, wo ich wohne. Mir gefällt es super dort. Sehr lebendig.
  4. Na ja, es gibt eigentlich keine Punkte mehr. Wir tranken noch etwas in einem (von einem Schweizer gegründeten) Kaffee in der Nähe des Parque Bolívar und fuhren dann los in die Montañas: Richtung Suroeste und Jericó.

Nalgas musculosas von Botero mit Liebeserklärung von SindyPájaro de la Paz mit der Liste der beim Anschlag getöteten
Pájaro de la Paz
Halloween kommt bald!
Parque Bolívar mit Markt

Kapitel II - Manuel el Montañero en las Montañas

Nach langer Fahrt kamen wir am Samstagabend endlich in Jericó an. Auf der Fahrt begegneten wir noch einem Onkel von Anasol (technisch gesehen Ex-Onkel, da nicht mehr mit der Tante von Anasol verheiratet). Dieser platzte fast vor Lachen, als er hörte, dass ich Manuel heisse: So ein richtiger Bauernname. Alle Montañeros hier hiessen so.

Jericó ist ein kleines Dorf mit vielen Kirchen, farbigen Häusern und urchigen Einwohnern, das ziemlich hoch auf einem Hügel/Berg liegt. Die Einwohner fahren Toyota-Jeeps, tragen Hut, Schnauz und manchmal einen Poncho... und heissen wahrscheinlich alle Manuel. Jericó ist also nicht nur geographisch gesehen weit weg von Medellín.

Cerro Tusa - das Matterhorn von Antioquia Rent yourself a miniguide - they are cheap, small, and they even sing!

Am Sonntag wollten wir eigentlich mit der Luftseilbahn auf den Hausberg von Jericó hinauf... leider fehlt aber das Geld für die Reparatur der Bahn und darum beschlossen wir, zu Fuss nach oben zu laufen. Einer der Kinderguides (mit offiziellem Touristenausweis) zeigte uns umständlich, wie wir am besten den Hügel hinauf kommen. Der Miniguide auf dem Foto sang sogar ein (superkitschiges) Lied für seine Touristen. Diese klatschten danach artig und sangen beim nächsten Lied sogar mit... sehr lustig.

Wir brauchten etwa 40 Minuten, um auf den Hügel hoch zu klettern. Der Vorteil war, dass wir Krete ganz alleine für uns hatten, wo sonst an einem normalen Wochenende viele Leute rumlaufen. War wirklich sehr schön.

Jericó von oben (man beachte die Regenwolke, die bald zu uns kommen wird)Kolumbianische Landschaft
Die Aussicht
Tourist
Wolken und der Fluss
Nach einem kleineren Sturm wieder unten angekommen, assen wir noch ein paar Empanadas auf der Strasse und fuhren wieder zurück nach Medellín.

Empanadas auf der Strasse. Sehr fein.
Koloniale Häuser und Gassen in Jericó
Montañeros

Drinking a beer on his horse Grünes Kolumbien