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Mittwoch, 21. Oktober 2009

Universidad EAFIT Medellín

Nun, da ich eigentlich schon nicht mehr an der Universidad EAFIT studiere, habe ich es endlich mal geschafft, meine Kamera mit in die Uni zu nehmen und ein paar Fotos zu machen. Natürlich kam auch sofort ein Vigilante (die allgegenwärtigen Securitas-Männer die hier vor jedem Haus stehen - wäre mal interessant zu wissen, wie gross der Prozentsatz der Kolumbianer ist, welcher für die Sicherheit des Restes der Bevölkerung zuständig ist) und wollte wissen, was ich denn genau fotografiere. Ich konnte ihn dann aber überzeugen, dass ich keine bösen Absichten habe.
Hier also einige Eindrücke...

Die Kantine... verschiedene Restaurants, die alle das genau gleiche Essen anbieten...
Eines der Gebäude
Die sehr schöne Bibliothek Das Centro de Idiomas: Eines der am wenigsten modernen Gebäude der ganzen Universität. Mein Klassenzimmer war gleich rechts oben an der Treppe auf dem Foto.
Der Eingang zur Uni... ohne Ausweis kommt man nur schwierig rein
Ausserdem noch die zwei wichtigsten Transportmittel (neben der Metro): Am Anfang ging ich immer mit dem Taxi in die Uni, jetzt fahre ich meistens mit dem Bus. Die Busse sind normalerweise sauber, immer billig und fahren immer halsbrecherisch. Das grösste Problem ist jedoch herauszufinden, welcher Bus wohin fährt. Die Leute auf der Strasse zu fragen bringt jedenfalls nicht viel, die kennen meistens nur ihre eigene Strecke.

Montag, 19. Oktober 2009

Raclette, Sancocho und Machos: Guatapé und Medellín

Nach einer Woche ist endlich wieder genug passiert, um mich um einen Blogeintrag zu kümmern.

Übrigens: Auf der Suche nach einem speziellen Kinoerlebnis? District 9 aus Südafrika ist eine Mischung zwischen Independent Movie, Dokumentation, Science Fiction und Horrorfilm... ziemlich verwirrend und man fragt sich am Schluss, ob man das, was man gerade gesehen hat, gut findet oder nicht. Definitiv ein zukünftiger Klassiker.

Kapitel I - Raclette

Nachdem ich schon in einem Restaurant mit dem Namen "Fondues and Crepes" (keine Ahnung wie man auf diese Kombination kommt) ein ziemlich gummiges Fondue gegessen habe, war diese Woche Raclette an der Reihe... etwas fader Käse, aber definitiv besser als das Fondue.

Es gibt hier übrigens eine ziemlich grosse Firma mit Namen Alpina (ziemlich krasse Website... bitte nicht mit einem 56K Modem öffnen), die 1945 durch zwei Schweizer gegründet wurde und Milchprodukte herstellt. Vielleicht hätten wir besser Alpinakäse genommen...
Kapitel II - Wieder mal Guatapé

Wieder einmal Guatapé. Dieses Mal aber mit der ganzen Familie. Familie heisst hier: Einige Tanten von Anasol und deren Cousins und Cousinen... was ja in der Schweiz meistens Unbekannte sind und nichts mit "Familie" zu tun haben. Die Ausrede sich in der Wochenendfinca Tante von Anasol zu Treffen war die Natillera.

Zu Essen gab es Sancocho. Dies ist grundsätzlich eine Suppe, in welcher ziemlich viel Fleisch (und Knochen), Mais, Yucca und noch anderes Zeug rumschwimmt. Man isst die Suppe zusammen mit Avocado und Arepa (das ist ein Maisbrot, das die Paisas die ganze Zeit essen). Wirklich fein... und natürlich deftig.

Sonst haben wir den Sonntag mit ziemlich viel Wasserskifahren (meine Versuche mit einem Ski sind leider missglückt) und Schwimmen verbracht. Als "Cousin" von Roger Federer in einer Familie voller Federerfans wurde ich sowieso sofort akzeptiert, auch wenn sie etwas irritiert waren als sie meine "Nadal"-Badehosen sahen.

Auf der Terrasse der Finca Die Ursache von ziemlich viel Muskelkater
Mit Paco in Schwimmweste
Der Sancochotopf...
... ein begehrtes Objekt
Der Stausee von Guatapé, an genau diesem Punkt war ursprünglich ein Dorf, El Peñol, das nun überflutet ist.
Cpt. Miguel
Schlange stehen für die besten Stücke
Die Aussicht von der Terrasse. Im Hintergrund sieht man (wen man das Foto vergrössert und gut schaut) La Piedra, den Felsen, auf dem ich am ersten Wochenende war.
Ein Schweizer isst Avocado... unglaublich

Kapitel III - Machismo

Letzte Woche hat mir EAFIT mitgeteilt, dass mein Kurs nicht mehr durchgeführt wird. Nach zwei Tagen Suche habe ich nun einen Privatlehrer, Daniel Rodriguez, der mir pro Tag zwei Stunden Spanisch gibt.

Daniel ist ein Paisa mit argentinisch-kroatischen Wurzeln, der in Argentinien eine Filmschule besucht hat und nun in Medellín Spanisch und Englisch unterrichtet und nebenbei einige kulturelle Sachen macht. Bis jetzt waren die Stunden ziemlich gut und natürlich intensiv. Am Lehrer liegt's jedenfalls nicht, dass der Schüler mit ein wenig mehr Disziplin seine Aufgaben machen sollte.

In unserer ersten Stunde in seiner Küche, gab Daniel mir einen sehr guten Artikel, der 2006 in einer kolumbianischen Zeitschrift (Semana) erschienen ist: El enigma de ser colombiano.

In diesem Artikel (der übrigens sehr zu empfehlen ist) geht es um die Resultate des World Value Survey. Dies ist eine Studie, welche den Wechsel von kulturellen und anderen Werten international vergleicht (wirklich ziemlich spannend... zum Beispiel sollte man sich die Grafik zur "Inglehart-Welzel Cultural Map of the World" einmal anschauen). In Kolumbien ist der World Value Survey ziemlich berühmt, weil es in 2006 zum wiederholten Mal die Statistik der glücklichsten Länder der Welt anführte - trotz Krieg, Armut und allen anderen Problemen.

Der Artikel von Semana endet mit der Schlussfolgerung, dass der Kolumbianer grundsätzlich ein widersprüchliches Wesen ist. Für mich persönlich am auffälligsten ist diese Widersprüchlichkeit, wenn es um Sexualität geht. Auf der einen Seite ist das hier ein riesiges Tabu, auf der anderen Seite dreht sich hier alles um dieses Thema.

Wenn man zum Beispiel in einer Bar ist, dann kommt es öfter vor, dass sich zwei erwachsene Personen aufs wildeste abknutschen (Sex ist oft nicht mehr weit entfernt), wie es in der Schweiz höchstens Teenies im Kino machen. Das krasse ist, dass auch die Sofas in der Bibliothek dafür gebraucht werden... und die (anscheinend) die Büsche auf dem Cerro El Volador... und die Bänke im Parque de los Deseos, auf denen man in der Nacht eigentlich die Sterne beobachten sollte. Und dies alles nur, weil die Männer keine Möglichkeit haben, ihre Freundinnen nach Hause zu nehmen (umgekehrt ja schon gar nicht!).

Na ja, es gäbe noch viel darüber zu schreiben. Um mir aber nicht die Finger zu verbrennen, zitiere ich wohl am besten die (ziemlich kontroverse) Machismo Theorie von Daniel: Laut Daniel hat der durchschnittliche kolumbianische Macho eine Frau (in der "Grafik" wäre dies das obere Pärchen), welche die Mutter seiner Kinder ist und die Seele seines Haushalts. Diese Frau ist heilig und der Sex sauber und langweilig. "Meine Frau macht dies und jenes sicher nicht! Sie ist ja die Mutter meiner Kinder..."

Dies bedeutet aber, dass ein Macho eine zweite Frau für richtigen Sex braucht... das volle Programm. It so happens to be, dass diese Frau normalerweise auch wieder mit einen Mann verheiratet ist, mit dem sie langweiligen Ehesex hat. Auch dieser Mann ist auf der Suche nach einer zweiten Frau... und der Kreis schliesst sich.

Mit diesen paar Worten, ist das Thema natürlich noch lange nicht abgeschlossen (es gäbe noch die Silikonmanie, dicke Frauen in engen Kleidern, die Pornofilme, die am Eingang der Kirche im Parque Berrío - die Leute kommen direkt von der Messe - verkauft werden, etc pp.).

Dienstag, 13. Oktober 2009

Otro Fin de Semana in Ríonegro

Hier noch einige Eindrücke vom letzten Wochenende auf der Finca der Eltern (ohne Eltern) von Anasol in Río Negro. Es gibt eigentlich gar nicht viel zu erzählen, denn das erklärte Ziel dieses Wochenendes war, möglichst wenig zu machen. Dieses Ziel wurde teilweise durchkreuzt, weil am Sonntagabend eine Wasserleitung platzte und wir ohne Wasser waren.

Sonst war es wirklich ein ruhiges Wochenende mit vielen Filmen (die alle super waren) und viel verschiedenem Essen mit den gleichen Zutaten (Pizza mit Oliven, Tomaten, Schinken, Peperoni; Spaghetti mit Oliven, Tomaten, Schinken, Peperoni: Rührei mit Oliven, Tomaten, Schinken, Peperoni).

Emma hat Hunger
Wieder einmal wird ein bemitleidenswertes Haustier gewaschen
Pizza (Fertigteig gibt es leider nicht... dafür aber Raclette und Fondue in jedem Supermarkt)
Best Friends?
Eichhörnchen
Die Hügel von Ríonegro Damit die Baustelle gesegnet ist
Das Haus und die Tiere
Picasso
Tukan
EAFIT hat mir gerade mitgeteilt, dass mein Spanischkurs für die nächsten zwei Wochen nicht durchgeführt wird. Ich muss mich nun also um einen Privatlehrer kümmern. Mal schauen. Gehe jetzt erst einmal in die Stadt und in den Parque Explora.

Samstag, 10. Oktober 2009

Der erste Monat in Medellín

Diesen Post habe ich letzten Samstag geschrieben und veröffentliche ihn nun mit ein wenig Verspätung... der nächste Eintrag folgt sogleich...

Komme gerade zurück von der Peluquería. Mein Coiffeur “My name is Juan David” hatte die verschiedenen Schneidetechniken voll im Griff, auch wenn ich eine Frisur a la Marc Hottiger anno 1994 gerade noch verhindern konnte.

Ich sehe auch sonst anscheinend schon genug wie ein Kolumbianer aus. Auf dem Weg ins Einkaufszentrum hat mich schon ein altes Frauchen nach dem Bus ins Zentrum gefragt…

Ich muss schauen, dass der Text nicht allzu chaotisch wird. Im Moment kommen mir bei jedem Satz verschiedene Sachen und Eindrücke in den Sinn, die ich erwähnen könnte. Z.B. zum Thema Vokuhila, dass alle Studenten von EAFIT (ist ja eine Privatuni) die gleichen zwei Marken anhaben: Abercrombie & Fitch und Hollister. Daneben gibt es natürlich auch einiges an Dolce & Ganbani (wo ist der Fehler???) und das allgegenwärtige und schreckliche Christian Audigier Tattoo Zeug.

Ich hatte letztens auch die Idee, eine Rubrik „Sachen die man lernen sollte, bevor man nach Kolumbien geht“ einzuführen. Ein wichtiger Punkt wäre hier: Wie schliesst man Autotüren leise genug, um nicht Krieg mit seinem Taxista zu kriegen und trotzdem die Türe auch wirklich zu schliessen.

Bevor es aber ganz ausartet gehen wir am besten zum ersten von zwei Kapiteln:

Kapitel I: Ein Tag auf dem Balkon

Ich hatte diese Woche ein wenig Motivationsprobleme. Ich lerne hier in Medellín entweder in der Bibliothek von EAFIT, oder bei Anasol auf dem Balkon. Wegen meinen Motivationsproblemen, konzentrierte ich mich letzten Mittwoch eher darauf, einen Vogel zu erwischen, wie er zu seinem Nest fliegt, als auf die Bildung des pluscuamperfecto de subjuntivo... Die Prüfung vom Donnerstag ist aber trotzdem super gelaufen... Kolibri
Im 13. Stock (ich habe nachgezählt) ist eine Wohnung zu vermieten. Zur Sicherheit haben sie ein Plakat ans Fenster gehängt. Vielleicht läuft ja mal jemand vorbei?
Der Balkon. Gleichzeitig auch mein Arbeitsplatz
Und hier die Aussicht...
Kapitel II: Cerro el Volador und Acción Impro

Nachdem ich am Freitag meine zweite Präsentation erfolgreich überstanden hatte ("Teoría de juegos y problemas ambiementales" - habe blöderweise nicht gerade das einfachste Thema ausgewählt...), gingen Timo, ein Mitstudent von EAFIT, auf den Cerro El Volador.

Der Cerro Volador ist einer der drei oder vier Hügel von Medellín. Anscheinend ziemlich berüchtigt, weil in den 80er und 90er Jahren dort ziemlich viele Menschen umgebracht worden seien. Jetzt ist es einfach ein sehr schöner und ruhiger Ort, mit einer tollen Aussicht auf die Stadt.

Der Río Medellín... hier in seiner "originalen" braunen Farbe. Letzte Woche soll er für einige Zeit rot gewesen sein, was jedoch für die Umwelt "absolut unbedenklich" gewesen sei, so jedenfalls die Gobernación von Medellín. Bis 2012 wollen sie den Fluss total sauber kriegen.
Von dem Pendel in der Mitte der Brücke aus werden alle Distanzen in Kolumbien gemessen (oder besser: Das Pendel markiert den Punkt, von wo aus... etc). Wie man an den Leitungen sehen kann, ist der Cerro El Volador ein beliebter Punkt, um Drachen steigen zu lassen.

Timo Aussicht vom Cerro Richtung Poblado und den kleineren Cerro Nutibara (der Ort wo das Pueblito Paisa steht). Wächter über die Stadt... Zweiter Wächter Jesus Blick zurück auf den Cerro (der Hügel im Vordergrund). Auf dem vorderen Spitz oben rechts waren wir.
Am Abend gingen Timo, Anasol und ich dann noch in eine Improvisationstheater. Die Gruppe, Acción Impro, war wirklich genial und besser, als alles was ich bisher in der Schweiz gesehen habe. Nicht nur die Kreativität, sondern auch die erzählerischen Mittel (Flashbacks etc.) die sie gebrauchten waren einfach genial.

Das Publikum musste einen Titel vorschlagen und ein Genre ziehen und sie machten daraus wirklich komplexe Geschichten. Die Website ist übrigens auch super.

Montag, 28. September 2009

Río Negro, Zancudos und andere Tiere

Heute hat mein zweiter Spanischkurs begonnen. Von den vier Teilnehmern sind nur noch Roland und ich übrig geblieben. Unsere Lehrerin ist immer noch dieselbe: Dora. Sie habe sich sehr gefreut, als sie hörte, dass sie wieder mit uns zusammenarbeiten darf... tja, Musterschüler halt, wie schon immer....

Hier das Zitat aus der heutigen Klasse:

"Quien trabaja en lo que no le gusta, aunque lo haga todo el dia, es un desocupado."
Irgendein Argentinier, der einmal mit Dora gesprochen hat

So, nun zu den letzten paar Tagen: Am Samstagmorgen wollte ich eigentlich früh aufstehen und die Citytour mit dem Turibus machen. Bin dann aber erst um 12 Uhr aufgewacht - musste wohl Schlaf nachholen - und somit war das Hardcore-Touriprogramm auch für diesen Tag gestrichen.

So fuhren wir am Nachmittag (Anasol musste am Morgen arbeiten) Richtung Río Negro, wo die Eltern von Anasol wohnen. Ein Foto von dem Haus habe ich ja schon vor ein paar Wochen in den Blog gestellt.

Tito, der Kater, hatte das Glück, dass er auch mit durfte. Leider realisierte sein Glück nicht so ganz, oder er konnte es nicht fassen - who knows? Jedenfalls machte er nach sehr langen Weinkrämpfen vor Nervosität in seinen Käfig... und wir durften die letzten Minuten Autofahrt durch den Mund atmen (also ich jedenfalls)...

Tito wurde dann nach der Ankunft mit einer gründlichen Waschaktion bestraft: Nasse Katze Anasol und Emma
Vögel (übrigens: Sehr laut am Morgen...)
Vögel
Nasse Katze
Schlange

Wie man an den Fotos sehen kann hatte das Wochenende ziemlich viel mit Tieren zu tun. Die Hauptrolle darin spielen Zancudos - Mücken. In kürzester Zeit haben die mir beide Arme völlig zerstochen. Sonst gab es noch einige Vögel, eine Schlange auf der Strasse und Emma, die super gemütliche Hündin von den Gavirias.

Nach dem Mittagessen ging es dann in ein Dorf in der Nähe. Auf dem Dorfplatz war einiges los... z.B. eine Hochzeit von zwei super jungen Teenies. Dies stellte sich dann zum Glück als Messe zu deren 15. Geburtstag heraus. Dafür hatten wir eine sehr schöne Diskussion (fand ich jedenfalls) mit einem Marktstandbesitzer über Europa, König Arthur und Escobar.

Hier die "Braut" im Aluminiumkleid Süssigkeiten
Mein neuer kolumbianischer Hippie Freund: Wieso sind alle Europäer so kalt? Was, es gibt Musik in Europa??? - und weitere Vorurteile (die Mütze war übrigens nur Deko - die Ziviuniform nicht)

Am nächsten Tag gab es noch mehr kolumbianisches Familienfeeling. Nach einem Paisa-Zmorge inklusive Kutteln (Motto: "Erst essen, nachher fragen" Juan, der Bruder von Anasol), ging es zu einem sehr schönen Ausflug in den lokalen Exito (das ist das kolumbianische Pendant zum Migros) und dann zur "Schwiegeronkel und -tante" des Bruders von Anasol.

Das Familienverständis ist in Kolumbien schon etwas weiter gefasst. BBQ war angesagt, und dies in einem sehr schönen Wochenendhäuschen. War wirklich sehr fein. Sollte wirklich mal daran denken, Sport zu machen...

So, das wär's wieder mal für eine Weile. Noch schnell die Turibus-Zeiten checken und meine Conversation-Partner kontaktieren und dann werden die Ufzgi gemacht: Unterschied zwischen por und para...