Hier also einige Eindrücke...
Die Kantine... verschiedene Restaurants, die alle das genau gleiche Essen anbieten...
Kapitel III - Machismo
Letzte Woche hat mir EAFIT mitgeteilt, dass mein Kurs nicht mehr durchgeführt wird. Nach zwei Tagen Suche habe ich nun einen Privatlehrer, Daniel Rodriguez, der mir pro Tag zwei Stunden Spanisch gibt.
Daniel ist ein Paisa mit argentinisch-kroatischen Wurzeln, der in Argentinien eine Filmschule besucht hat und nun in Medellín Spanisch und Englisch unterrichtet und nebenbei einige kulturelle Sachen macht. Bis jetzt waren die Stunden ziemlich gut und natürlich intensiv. Am Lehrer liegt's jedenfalls nicht, dass der Schüler mit ein wenig mehr Disziplin seine Aufgaben machen sollte.
In unserer ersten Stunde in seiner Küche, gab Daniel mir einen sehr guten Artikel, der 2006 in einer kolumbianischen Zeitschrift (Semana) erschienen ist: El enigma de ser colombiano.
In diesem Artikel (der übrigens sehr zu empfehlen ist) geht es um die Resultate des World Value Survey. Dies ist eine Studie, welche den Wechsel von kulturellen und anderen Werten international vergleicht (wirklich ziemlich spannend... zum Beispiel sollte man sich die Grafik zur "Inglehart-Welzel Cultural Map of the World" einmal anschauen). In Kolumbien ist der World Value Survey ziemlich berühmt, weil es in 2006 zum wiederholten Mal die Statistik der glücklichsten Länder der Welt anführte - trotz Krieg, Armut und allen anderen Problemen.
Der Artikel von Semana endet mit der Schlussfolgerung, dass der Kolumbianer grundsätzlich ein widersprüchliches Wesen ist. Für mich persönlich am auffälligsten ist diese Widersprüchlichkeit, wenn es um Sexualität geht. Auf der einen Seite ist das hier ein riesiges Tabu, auf der anderen Seite dreht sich hier alles um dieses Thema.
Wenn man zum Beispiel in einer Bar ist, dann kommt es öfter vor, dass sich zwei erwachsene Personen aufs wildeste abknutschen (Sex ist oft nicht mehr weit entfernt), wie es in der Schweiz höchstens Teenies im Kino machen. Das krasse ist, dass auch die Sofas in der Bibliothek dafür gebraucht werden... und die (anscheinend) die Büsche auf dem Cerro El Volador... und die Bänke im Parque de los Deseos, auf denen man in der Nacht eigentlich die Sterne beobachten sollte. Und dies alles nur, weil die Männer keine Möglichkeit haben, ihre Freundinnen nach Hause zu nehmen (umgekehrt ja schon gar nicht!).
Na ja, es gäbe noch viel darüber zu schreiben. Um mir aber nicht die Finger zu verbrennen, zitiere ich wohl am besten die (ziemlich kontroverse) Machismo Theorie von Daniel: Laut Daniel hat der durchschnittliche kolumbianische Macho eine Frau (in der "Grafik" wäre dies das obere Pärchen), welche die Mutter seiner Kinder ist und die Seele seines Haushalts. Diese Frau ist heilig und der Sex sauber und langweilig. "Meine Frau macht dies und jenes sicher nicht! Sie ist ja die Mutter meiner Kinder..."
Dies bedeutet aber, dass ein Macho eine zweite Frau für richtigen Sex braucht... das volle Programm. It so happens to be, dass diese Frau normalerweise auch wieder mit einen Mann verheiratet ist, mit dem sie langweiligen Ehesex hat. Auch dieser Mann ist auf der Suche nach einer zweiten Frau... und der Kreis schliesst sich.
Mit diesen paar Worten, ist das Thema natürlich noch lange nicht abgeschlossen (es gäbe noch die Silikonmanie, dicke Frauen in engen Kleidern, die Pornofilme, die am Eingang der Kirche im Parque Berrío - die Leute kommen direkt von der Messe - verkauft werden, etc pp.).
Nachdem ich am Freitag meine zweite Präsentation erfolgreich überstanden hatte ("Teoría de juegos y problemas ambiementales" - habe blöderweise nicht gerade das einfachste Thema ausgewählt...), gingen Timo, ein Mitstudent von EAFIT, auf den Cerro El Volador.
Der Cerro Volador ist einer der drei oder vier Hügel von Medellín. Anscheinend ziemlich berüchtigt, weil in den 80er und 90er Jahren dort ziemlich viele Menschen umgebracht worden seien. Jetzt ist es einfach ein sehr schöner und ruhiger Ort, mit einer tollen Aussicht auf die Stadt.
Der Río Medellín... hier in seiner "originalen" braunen Farbe. Letzte Woche soll er für einige Zeit rot gewesen sein, was jedoch für die Umwelt "absolut unbedenklich" gewesen sei, so jedenfalls die Gobernación von Medellín. Bis 2012 wollen sie den Fluss total sauber kriegen.Von dem Pendel in der Mitte der Brücke aus werden alle Distanzen in Kolumbien gemessen (oder besser: Das Pendel markiert den Punkt, von wo aus... etc).
Wie man an den Leitungen sehen kann, ist der Cerro El Volador ein beliebter Punkt, um Drachen steigen zu lassen.
Wie man an den Fotos sehen kann hatte das Wochenende ziemlich viel mit Tieren zu tun. Die Hauptrolle darin spielen Zancudos - Mücken. In kürzester Zeit haben die mir beide Arme völlig zerstochen. Sonst gab es noch einige Vögel, eine Schlange auf der Strasse und Emma, die super gemütliche Hündin von den Gavirias.
Nach dem Mittagessen ging es dann in ein Dorf in der Nähe. Auf dem Dorfplatz war einiges los... z.B. eine Hochzeit von zwei super jungen Teenies. Dies stellte sich dann zum Glück als Messe zu deren 15. Geburtstag heraus. Dafür hatten wir eine sehr schöne Diskussion (fand ich jedenfalls) mit einem Marktstandbesitzer über Europa, König Arthur und Escobar.
Hier die "Braut" im Aluminiumkleid Süssigkeiten
Mein neuer kolumbianischer Hippie Freund: Wieso sind alle Europäer so kalt? Was, es gibt Musik in Europa??? - und weitere Vorurteile (die Mütze war übrigens nur Deko - die Ziviuniform nicht)
Am nächsten Tag gab es noch mehr kolumbianisches Familienfeeling. Nach einem Paisa-Zmorge inklusive Kutteln (Motto: "Erst essen, nachher fragen" Juan, der Bruder von Anasol), ging es zu einem sehr schönen Ausflug in den lokalen Exito (das ist das kolumbianische Pendant zum Migros) und dann zur "Schwiegeronkel und -tante" des Bruders von Anasol.
Das Familienverständis ist in Kolumbien schon etwas weiter gefasst. BBQ war angesagt, und dies in einem sehr schönen Wochenendhäuschen. War wirklich sehr fein. Sollte wirklich mal daran denken, Sport zu machen...
So, das wär's wieder mal für eine Weile. Noch schnell die Turibus-Zeiten checken und meine Conversation-Partner kontaktieren und dann werden die Ufzgi gemacht: Unterschied zwischen por und para...