Freitag, 9. September 2011

Berlin II: Der Kapitalismus hat gesiegt! ...und Ping-Pong

Es ist schon wieder fast eine Woche vergangen, seit ich mich von Berlin erholen konnte... und noch immer schulde ich (mir) die Einträge Berlin II bis IV. Ich habe wenigstens eine gute Ausrede, warum ich mich nicht mehr um meinen Blog gekümmert habe. Nun... Der zweite Tag, nach einer eher unbequemen Nacht auf den riesengrossen Kopfkissen unseres, sonst sehr guten, Hostels - es müssen die grössten und härtesten Kopfkissen der Welt sein, man hat das Gefühl, der Kopf schläft einen Stock höher -, nahmen wir die Metro zum Potsdamer Platz.

Dort trafen wir Til Schweiger auf dem Walk of Fame Deutschlands
Der Potsdamer Platz wurde nach dem Fall der Mauer zum modernen Zentrum Berlins. Hier, auf dem ehemaligen Todesstreifen, wurde 1990 auch The Wall von Roger Waters vor 300'000 Zuschauern, aufgeführt.

Für das moderne Berlin steht vor allem auch das Sony Center mit seinem riesigen Zeltdach, das die verschiedenen Gebäudekomplexe architektonisch zusammenhält. Nachdem ich vor ein paar Jahren "Teil der Lösung" von Ulrich Peltzer gelesen habe, ein Buch das im Sony Center anfängt und in Berlin spielt, war es ziemlich interessant, diesen Ort zu sehen. Der Kapitalismus hat gesiegt!
Das nicht nur der Kapitalismus gesiegt hat, sondern auch die Nazis den Krieg verloren haben, sieht man in der Ausstellung Topographie des Terrors. Hier steht auch noch ein Teil der Mauer.
Topographie wurde mir von meinem Spanischlehrer empfohlen, schlug aber bei meinen Reisekollegen nicht gross ein. Die Ausstellung steht auf den Schutthaufen des ehemaligen Hauptquartiers der Gestapo, der SD und SS an der Prinz-Albrecht Strasse. Hier war das Zentrum des Nazi-Terrors, hier wurde die Endlösung organisiert. Das neue Dokumentationszentrum zeigt den Aufbau und die innere "Logik" des Naziterrors auf eindrückliche Weise. Schlussendlich waren die Nazis einfach "Bullies" die nicht zurückgehalten wurden, ihre politischen Gegner öffentlich erniedrigten und durch wirtschaftlichen Erfolg bestätigt wurden. All checks, no balances.
Ein Berliner in Berlin Meine Reisekollegen erholen sich von einer Überdosis Museum Die Berliner Mauer beim Checkpoint Charlie. An diesem historischen Ort, wo 1961 fast der dritte Weltkrieg ausgelöst wurde, hätte ich gerne mehr Zeit verbracht. Klassisch Berlin an der Friedrichstrasse, der neuen Shoppingstrasse des Zentrums Pariser Platz und das Brandenburger Tor - und Joggerin Die Reisegruppe und die Kamera im Regen Der Reichstag Tourist In der gleichen Gegend: Das Holocaust-Mahnmal Ein Paradies für FotografenBlätter Blöcke
Dann ging's zu einer privaten Sightseeing-Tour entlang der Prachtstrasse der Preussen: Unter den Linden. Die Sankt-Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz. Ein ungewöhnliches Gebäude - eine katholische Kirche mitten in Berlin.
Die "Kommode" - die ehemalige königliche Bibliothek Am Bebelplatz, dem Platz vor der Bibliothek, fand am 10. Mai 1933, kurz nach der Machtergreifung der Nazis, die Verbrennung "undeutscher" Werke statt. 75'000 Menschen namen an der Verbrennung von Büchern von Autoren von Erich Kästner bis Karl Marx teil. Als Erinnerung an dieses Ereignis wurde ein Denkmal errichtet: Ein Raum mit leeren Regalen unter einer Scheibe mitten auf dem Platz.
Die Neue Wache Das deutsche historische Museum Dickes B oben an der Spree Die Museumsinsel Der Marstall und das ehemalige Staatsratsgebäude der DDR im Abendlicht Der Berliner Dom Das diesem hochkonzentrierten Sightseeing im plötzlichen Abendlicht, nach einem verregneten Tag, kam ich ziemlich müde wieder in unserem Hostel in Prenzlauer Berg an. Am Abend gab's dann noch schwer verdauliche Fajitas an der Kastanien Allee und anschliessend ein weiteres Berliner Highlight: Ping Pong bei Dr. Pong!

Bei Dr. Pong an der Eberswalder Strasse gibt es Bier, DJ's und Rundlauf! Ein geniales Konzept... aber kein guter Ort um Frauen kennen zu lernen: Der Männeranteil ist höher als im Helvetia in Frauenfeld wenn die Rekruten Ausgang haben. Weiter geht es hier mit Berlin III...

Berlin I: Welcome to the town of Berlin. Karaoke!

Meine "To Do"-Liste: Fotos Berlin bearbeiten (Check), auf Dropbox hochladen (Check), auf Blogger hochladen (Check), Blog Berlin schreiben... nada.

Daneben habe ich natürlich auch noch viele andere Punkte auf meiner Liste. Bin ja noch immer auf der Suche nach einem Job. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg - die Kurve zeigt momentan zum Glück wieder leicht nach oben.

Um nicht zu Hause zu versauern, entschied ich mich spontan, mit einigen verrückten Jazz-Studenten für ein paar Tage nach Berlin zu reisen.

Wie New York war Berlin ein ewiger schwarzer Fleck auf meiner Reiseliste. Jeder war schon dort, jeder fand es cool, alterativ, anders, nicht schön aber... und am meisten sind ja die Berliner selbst von ihrer Stadt begeistert.

In Berlin gehen hohe Weltstadtsansprüche gepaart mit Schludrigkeit und Lockerheit... War mehrmals das Zentrum der Welt, oder hätte das Zentrum der Welt sein sollen, und stand Jahrzehnte lang im Fokus der Weltpolitik. "Ich bin ein Berliner".

Wenn man sich für Geschichte interessiert, und das ist bei mir sicher der Fall, dann ist hier an jeder Ecke etwas passiert. Und auch wenn man sich nicht für Geschichte interessiert, hat Berlin einiges an spezieller Atmosphäre zu bieten, die ja auch immer direkt etwas mit der Geschichte der Stadt zu tun hat. Nun aber jenuch jelabert!

Der erste Tag hatte nicht viel mit Geschichte zu tun, dafür aber viel mit Atmosphäre. Mit Easyjet kamen wir gegen Mittag von Genf aus in Berlin an. Wir checkten ins Eastseven Hostel in Prenzlauer Berg ein und gingen auf die Suche nach Essen.

Fündig (und wie!) wurden wir im Restaurant Babel an der Kastanienallee. Die Babel-Platte für zwei Personen (und 20 Euro) kriegten wir auch zu dritt und mit Heisshunger fast nicht fertig. In der Reisebeschreibung einer Kollegin hiess es: "Si je me ne trompe pas vous arrivez le dimanche, ce jour est le jour des puces à Mauerpark, ça peut être chouette surtout s'il y a le karaoké géant (ça c'est vraiment de la folie)."
Das Riesenkaraoke im Mauerpark war wirklich ein Erlebnis - der Höhepunkt von vier Tagen Berlin. Vor einem riesigen Publikum treten mutige Freiwillige auf. Es wird mitgesungen, geklatscht, geschriehen, gelacht: Neben den Sängern ist definitiv das Publikum das Highlight der Show.
Hier unser asiatischer Freund bei seiner Interpretation von "Sweet Caroline" von Neil Diamond. Diesen Song bekamen wir tagelang nicht mehr aus dem Kopf. Sweet Caroline, oh, oh, oooh... good times never seemed so goodDaneben findet natürlich auch der Flohmarkt am Mauerpark statt. Viel Schrott, aber auch zwei neue T-Shirts für mich... ...und eine neue New Kids on the Block LP für Tenzin - was wohl auch unter Schrott zu klassifizieren ist. Dieser junge Herr sang Circle of Life von Elton John... ...und zog sich dabei Schicht für Schicht seines "Lion King"-Kostüms aus. Man beachte die Reaktionen des Publikums. Schwül-warmes Wetter Der Mauerpark - früher Grenze zwischen den Vierteln Wedding und Prenzlauer Berg. Während Wedding zum französischen Sektor gehörte, war Prenzlauer Berg sowjetisch. Durch den Mauerpark führte die Mauer und der Todesstreifen. Eine Schottin singt My Humps von den Black Eyed Peas In einem Café an der Oderberger Strasse Das Brauerei Gewerbe war einst die grösste Industrie in Prenzlauer Berg. Die Kulturbrauerei ist seit 1992 ein Kulturzentrum. Prenzlauer Berg - vom Osten spürt man nicht mehr viel. "Gentrification" ist in Berlin wie auch in New York ein beliebtes Stichwort. Und wie in New York heisst dies auch, dass viele Viertel, neben positiven Entwicklungen, auch einen Teil ihrer Eigenheiten aufgeben müssen. Der Wasserturm steht auf dem "Gipfel" des Mühlebergs, der 1877 errichtete erste Wasserspeicher Berlins. In der dreissiger Jahren war der Wasserturm ein "wildes" Konzentrationslager der Nazis, in welchem "unliebsame" Personen interniert, gefoltert und ermordet wurden. Prenzlauer Berg war schon damals ein Arbeiterviertel und linkes Zentrum. Öffentliches Trampolin Es folgen mehr schräge Fotos von langen Gebäuden Der Berliner Fernsehturm ist das höchste Bauwerk Deutschlands. Die "Stadtkrone, die alles überragt und von der Sieghaftigkeit des Sozialismus kündet" wurde 1969 im Stadtteil Mitte im ehemaligen Ostberlin fertiggestellt. Den Sieg des Sozialismus hat er leider nicht gebracht. Tja... Am Abend gab es noch eine erste Jazzsession in der Waldo Bar in Spandau. Jazz Jams mit japanischen Instrumenten, eine hyperaktive Jazzsängerin und Organisatorin, Jazz Pianisten aus den Philippinen und ein paar Bierchen. Ein guter Abschluss des ersten Tages. Weiter geht es mit Tag II.

Erster Eintrag (check)! Jenuch!

Sonntag, 28. August 2011

In der Wetterküche am Bodensee

Der erste Eintrag in neuem Design. Ich hoffe es gefällt - auch wenn nun natürlich auch alle alten Einträge im neuen Design sind. Alles andere als neu sind der Bodensee und unser Segelboot. Trotz des grässlichen Wetters, fuhren wir nach Romanshorn, um das Wochenende auf dem Boot zu verbringen. Wegen des grässlichen Wetters kamen wir aber erst spät im SBB-Yachthafen an.

Am Schweizer Ufer entlang segelten wir Richtung Osten. Blick nach Österreich. In der Wetterküche. Es brodelt. Schön verzog sich die Kaltfront. Herbstwetter. Stairway to Heaven - Kitsch Schöne Aussicht Mitsegler Das obligatorische (und diesmal schlechte) Foto Schwarze Front und helle Sonne Wind Mein Schatten Goldiges Wasser Wir segelten am Summer Days Festival vorbei und kamen so gratis in den Genuss von Baschis Powerballaden und "Bring en Hei"! Und dann plötzlich war die Front vorbei und so wurde es kurz vor dem Eindunkeln nochmals Tag. Nach einem späten Abendessen unter Fruchtfliegen im Paulaner in Rorschach - die Kellnerin wollte von Ottis Fruchtfliegen-Rezept (Wasser, Essig, Zucker, Spülmittel) nichts wissen - ging's früh ins kühle Schiff zurück.

Am nächsten Morgen war der Sommer schon wieder da... Der grosse Hafen von Rorschach mit dem schönen Kornhaus. Morgenlicht. Die alte Badehütte Das Sandskulpturen Festival in Rorschach. Hier der Gewinner des Publikumspreises: "Der Mensch ist ein Herdentier" von Edith Van de Weterring und Wilfred Stijger aus Holland. Auf der Vorderseite haben die Schafe Menschenköpfe und starren auf nackte Frau an, die auf einem Canapé liesmet. Gewonnen hat die "Froschkönigin" von Agnese Rudzite und Karlis Ile aus Lettland. Nicht sehr speziell von der Aussage her, aber dafür sehr gut und filigran gemacht.Und man glaubt es kaum: Nach der Kälte vom Vortag (und Halsschmerzen) habe ich es dann doch noch geschafft, mich in der Sonne zu verbrennen. Blick auf Romanshorn unter dem Sonnenschirm. Neue PassagierinIs this it? - Yes it is